Kindernothilfe. Gemeinsam wirken.

23. Februar 2016

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Somalilands Regierung: „FGM ist kriminell“

Genitalverstümmelung oder FGM (Female Genital Mutilation) ist in Somaliland weit verbreitet. Aber niemand wird bestraft, obwohl die Regierung FGM als kriminelle Handlung einstuft. Bei einem Ministerbesuch erfahre ich, warum das so ist.
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Ein Plakat der Kindernothilfe für ein Komplettverbot für weibliche Genitalverstümmelung in Somaliland (Quelle: Kindernothilfe)
Heftig umstritten und überfällig: ein Komplettverbot für weibliche Genitalverstümmelung in Somaliland (Quelle: Kindernothilfe)
Ein Plakat der Kindernothilfe für ein Komplettverbot für weibliche Genitalverstümmelung in Somaliland (Quelle: Kindernothilfe)
Heftig umstritten und überfällig: ein Komplettverbot für weibliche Genitalverstümmelung in Somaliland (Quelle: Kindernothilfe)
Vormittags stehen im Stundentakt Gespräche mit Regierungsvertretern in der Hauptstadt Hargeisa auf dem Plan. Um 8 Uhr empfängt uns die Ministerin für Umwelt, Sukri Haji Ismail. Ihr ist die Arbeit der Kindernothilfe gut vertraut - vor Jahrzehnten hat sie die Organisation "Candlelight" gegründet, mit der wir hier seit 2011 zusammenarbeiten.

Um 9 Uhr beim Minister für Arbeit und Soziales, Ali Mahmoud Ahmed. Er ist erst seit zwei Monaten im Amt, unser Gespräch muss von Englisch auf Somali übersetzt werden. Dafür kommt auch der Vizepräsident Somalilands, Abdi Dahir Amoud, dazu. Unser Bericht, wie sich die Lebensbedingungen der Ärmsten der Armen durch Selbsthilfegruppen verbessern, trifft auf offene Ohren. Und natürlich diskutieren wir auch hier, wie bei jedem unserer Gespräche, über FGM, die in Somaliland so weit verbreitete Genitalverstümmelung. Ja, stimmen unsere Gesprächspartner zu: FGM sei eine kriminelle Handlung. Aber bevor das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das künftig für die nötige Rechtssicherheit sorgt, braucht es dort eine grundsätzliche Einigung. Noch gibt es heftige Diskussionen zwischen den Befürwortern eines Komplettverbots (Null-Toleranz) und den Vertretern  der Fraktion, die eine abgeschwächte Form der Beschneidung zulassen wollen.

Frauengruppen fordern Null-Toleranz-Gesetz

Bei der "pharaonischen Beschneidung" wird die sogenannte Infibulation durchgeführt, die auf brutale Weise dafür sorgt, dass nur noch eine kleine Öffnung für Urin und Sekret erhalten bleibt. Bei der sogenannten Sunna-Form der Beschneidung wird die Klitoris beschnitten, ohne eine komplette Infibulation anzuwenden. Ein Gesetz, das lediglich die drastischste Form der Verstümmelung verbietet, hätte wohl auch jetzt schon gute Chancen auf eine Mehrheit im Parlament. Es birgt aber die Gefahr, dass es dann weiterhin zu einer Akzeptanz der Sunna-Form kommt. Um ein Null-Toleranz-Gesetz zu erreichen, wie es all die Frauengruppen fordern, die wir in den letzten Tagen besucht haben, braucht es noch Zeit und viele Gespräche.

Zum Abschluss des Vormittags sind wir schließlich noch bei der First Lady des Landes, Amira Silanyo, angekündigt, einer beeindruckenden Frau, die sich auf vielfältige Weise für die Rechte der Mädchen und Frauen ihres Landes starkmacht.
 
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Über die Autorin

Porträtfoto von Katrin Weidemann (Quelle: Kindernothilfe / Studio Hirsch)
Katrin Weidemann
ist seit 2014 Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. Mit ihren Blog-Beiträgen gibt sie persönliche Einblicke in ihre Arbeit.

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